Stellungnahme des Diözesanrates zur aktuellen Flüchtlingssituation

Mit Entsetzen haben wir sicher alle die Berichte über die Terroranschläge in Paris verfolgt.Wir haben mit der französischen Bevölkerung in tiefer Trauer und im Gebet der Ermordeten, der Verletzten und ihrer Angehörigen gedacht.

Mit Mord und Gewalt gehen Terroristen und ihre Ableger auch in vielen Ländern gegen Christen, Jesiden, Muslime, Juden oder Angehörige anderer Religionen vor. Die Terroranschläge der IS in Paris verdeutlichen die Gründe der Flucht vieler, und nicht nur derer aus Syrien, denn es gibt kei-nen Zusammenhang zwischen den Flüchtlingen und der Gefahr von Terroranschlägen. Vielmehr sind die Flüchtlinge selbst auf der Flucht vor Krieg, Hunger und mordenden Banden.


Wir müssen aufeinander zugehen und die friedlichen Aspekte einer jeden Religion in den Vorder-grund stellen, auch des Korans.


So ruft der Diözesanrat alle Bürger auf, die vielfach gezeigte Solidarität mit den Flüchtlingen beizu-behalten und die Willkommenskultur nach diesen schrecklichen Terroranschlägen weiter zu stärken und zu unterstützen.
Die Zahl der im Bereich unseres Bistums unterzubringenden Flüchtlinge wird in den kommenden Wochen und Monaten weiter ansteigen, so dass z.B. auch Turnhallen als Notunterkünfte von den Städten bereitgestellt werden müssen. In der Verantwortung, in der wir als Christen gegenüber not-leidenden Menschen stehen, bitten wir Sie, die Entscheidungen der Länder, der Landkreise und der Kommunen zu verstehen und mitzutragen. Wir nehmen die Ängste, die Besorgnisse und Unsicher-heiten vieler Bürger ernst. Diese entbindet uns jedoch nicht von unserer Pflicht als Christen, Ver-antwortung für die Flüchtlinge und Notleidenden zu übernehmen.

Der Diözesanrat unterstützt die Forderung vieler Landkreise, Kommunen und Bürger zu einer Ver-besserung der Informationspolitik gegenüber uns allen. Kommunen und Bürger sollen öffentlich und rechtzeitig informiert werden.
Hasstiraden gegenüber Bundes-, Landes- oder Kommunalpolitikern, Beleidigungen, Morddrohun-gen und Aufrufe zur Gewalt charakterisieren jedoch viele Demonstrationen. Jedem, der an solchen Demonstrationen teilnimmt muss bewusst sein, dass er sich mit seiner Teilnahme auch mit den dort getroffenen Aussagen solidarisiert!

Bringen Sie Ihre Anliegen, Bedenken, Ängste vor, aber ohne Anfeindung oder Beschimpfung der Gesprächspartner und der Flüchtlinge. Jedes Gespräch muss getragen sein von unserer gemein-samen Verantwortung gegenüber der Not und dem Leid in unserer Welt und der Bewahrung der Schöpfung.

Der Diözesanrat wünscht Ihnen eine besinnliche Adventszeit, in der die Zeit der Vorbereitung auf die Geburt unseres Herrn Jesus Christus nicht nur durch Einkäufe und Hektik bestimmt wird.

Zur Weihnachtszeit gehört auch das Fest der Unschuldigen Kinder – die Eltern Jesu mussten mit ihrem Kind wegen angedrohter Verfolgung und Mord fliehen, würden wir „Ihm“ heute die Aufnahme verweigern?
So heißt es bei Mt 25, 35 – „Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durs-tig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufge-nommen, ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich be-sucht“ und auf die Frage wann dies geschehen sein soll sagt Christus: “Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25, 40).


Dr. Nikolaus Legutke
Diözesanrat


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